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Wirtschaftliche Abhängigkeit von den Pegelständen des Rheins

Die Abhängigkeit von den Pegelständen unterscheidet sich jedoch stark vom bekannteren „Sorgenkind“, dem freien Rhein, da der Neckar eine Besonderheit aufweist: 

Abhängigkeit vom Pegel des Rheins:

1. Das Staustufen-System: Schutz vor lokalem Niedrigwasser

Der Neckar ist auf einer Länge von über 200 Kilometern (von Plochingen über Stuttgart bis nach Mannheim) durch 27 Staustufen reguliert. 

 

  • Die Auswirkung: Selbst bei extremen Sommer-Hitzewellen und ausbleibendem Regen bleibt der Wasserstand im Neckar auf Stuttgarter Stadtgebiet künstlich stabil. Das Schifffahrtsamt reguliert die Wehre so, dass die Fahrrinne für Frachtschiffe im Neckar selbst meist tief genug bleibt, um den Stuttgarter Hafen anzusteuern. 

     

2. Die indirekte Abhängigkeit (Das Rhein-Nadelöhr)

Trotz des stabilen Pegels in Stuttgart leidet die Wirtschaft massiv unter Niedrigwasser, da der Neckar in den Rhein mündet. 

 

  • Kettenreaktion bei Rhein-Niedrigwasser: Führt der Rhein extremes Niedrigwasser, können Frachtschiffe dort nur noch mit einem Bruchteil ihrer Ladung (teilweise nur noch einem Drittel) fahren oder stellen den Verkehr ganz ein. Da der Grossteil der Schiffe aus Richtung Rotterdam/Karlsruhe über den Rhein in den Neckar einfährt, bricht die Lieferkette in Stuttgart ein – obwohl der Neckar selbst voll ist.
  • Kostenexplosion: Unternehmen müssen in solchen Phasen Frachten kurzfristig auf die Schiene oder die ohnehin überlastete Strasse (Lkw) verlagern. Dies treibt Logistikkosten und am Ende auch Endverbraucherpreise massiv in die Höhe. 

     

3. Wichtige Wirtschaftsfaktoren des Neckars in Stuttgart

 

BereichBedeutung & Abhängigkeit
Der Stuttgarter HafenAls wichtigster Umschlagplatz der Region verbindet er Schiene, Strasse und Wasser. Hier werden massenhaft Schrott, Kohle, Stahl, Baustoffe und Container umgeschlagen. Stockt die Schifffahrt, fehlen der lokalen Industrie Rohstoffe und Entsorgungswege.
EnergieversorgungEntlang des Neckars hängen Laufwasserkraftwerke (z. B. der EnBW) direkt vom Durchfluss ab. Bei geringerem Durchfluss sinkt die Stromproduktion. Zudem benötigen verbleibende thermische Kraftwerke den Fluss zur Kühlung. Ist das Wasser zu warm oder der Durchfluss zu gering, müssen Kraftwerke gedrosselt werden.
Infrastruktur-StauDie IHK Region Stuttgart fordert seit Jahren den Ausbau und die Schleusenverlängerung am Neckar, damit modernere, längere Güterschiffe Stuttgart anlaufen können. Dies würde die Resilienz des Standorts bei schwierigen Wetterlagen erhöhen.

 

4. Die Gefahr von Hochwasser

Das andere Extrem betrifft den Wirtschaftsstandort ebenso: Bei anhaltendem Starkregen steigt der Pegel im oberen Neckar und der Fils rasant an. Ab einer bestimmten Hochwassermarke (z. B. am Pegel Plochingen) wird eine allgemeine Schifffahrtssperre ausgerufen. In diesem Fall steht der Schiffsverkehr zum Stuttgarter Hafen aus Sicherheitsgründen tagelang komplett still.